Kollektiv & Klarheit: Was mich ein aktuelles Leipzig-Projekt über Co-Kreation gelehrt hat
Es gibt Projekte, die fordern dich nicht nur als Designer, sondern vor allem als Strukturgeber. Seit geraumer Zeit begleite ich das Leipziger Kollektiv KOMMA auf dem Weg zu ihrer neuen Website. Als Experten für Mediation und Moderation wissen die vier genau, wie wichtig klare Kommunikation und Gruppen-Dynamiken sind.
Und genau deshalb ist die Zusammenarbeit so wertvoll: Weil sie einen Prozess spiegeln, der jedes gleichberechtigte Team betrifft. Wenn mehrere kluge Köpfe gemeinsam ein digitales Zuhause bauen, geht es eben nicht nur um Farben und Schriften, sondern um das gemeinsame Fundament.
Dieses Projekt hat mir in den letzten Wochen wieder einmal gezeigt, worum es beim Webdesign wirklich geht: Es geht um radikale strukturelle Klarheit von Sekunde eins an.
Die Herausforderung: Co-Kreation braucht einen starken Rahmen
Wenn ein Kollektiv eine Website entwickelt, fließen viele großartige Perspektiven zusammen. Damit das Projekt dabei im Fluss bleibt und nicht an Komplexität verliert, braucht es einen absolut transparenten Rahmen.
Dabei durfte ich wieder lernen: Je mehr Menschen am Tisch sitzen, desto klarer und sichtbarer muss ich die technischen und organisatorischen Meilensteine von Anfang an moderieren.
Das Learning: Wenn wichtige Fragen Raum bekommen
In unserer letzten Runde kamen zwei Themen auf den Tisch, die für mich als Squarespace-Experte zum Alltag gehören, bei einem Website-Projekt aber völlig zurecht emotionale Sicherheit bedeuten: Laufende Kosten und die DSGVO.
Das Squarespace-Abo: Auch wenn jährliche Fixkosten für das Hosting im Angebot stehen, poppt das Thema beim eigentlichen Aufsetzen der Live-Umgebung oft noch mal als konkrete Frage auf.
Der Datenschutz-Dschungel: US-Server, Cookie-Banner, rechtssichere Einbindung – das Team hat hier völlig richtig den Finger in die Wunde gelegt und sich tiefgehende Klarheit von meiner Seite gewünscht.
Mein Impuls dazu? Danke für diesen wichtigen Spiegel. Als Dienstleister könnte man sagen: „Steht doch im Vertrag!“ Als strategischer Partner auf Augenhöhe sage ich: „Wenn meine Kunden hier noch unsicher sind, darf ich meinen Prozess noch transparenter machen.“ Rechtssicherheit und Kostentransparenz sind existenzielle Themen im B2B-Bereich. Sie zu hinterfragen, ist kein Misstrauen, sondern gelebte Professionalität des Kollektivs.
Was ich für zukünftige Projekte mitnehme:
Weil ich aus jedem guten Dialog lerne, passe ich meinen Workflow für alle zukünftigen Websites (egal ob für Einzelkämpfer oder Teams) an:
Das technische Onboarding: Laufende Fixkosten (wie das Squarespace-Abo) werden beim Projektstart im ersten Call noch einmal unmissverständlich besprochen.
Der DSGVO-Fahrplan: Das Thema Datenschutz bekommt einen festen, moderierten Platz vor der eigentlichen Design-Phase. Niemand soll sich im Unklaren darüber sein, was im Hintergrund technisch passiert.
Fazit: Gestaltung beginnt vor dem ersten Pixel
Eine Website zu bauen ist ein intensiver Prozess der Positionierung – erst recht im Team. Das Projekt mit KOMMA zeigt mir wieder, warum mein therapeutischer und systemischer Blick so wichtig ist: Wir müssen erst die Struktur klären und Unsicherheiten (vor Technik, Kosten oder Abmahnungen) abbauen, bevor das Design Sinn macht.
Danke an das KOMMA-Team für diesen wertvollen Austausch auf Augenhöhe. Genau durch dieses gemeinsame Hinsehen entstehen am Ende Webauftritte, die ein echtes, stabiles Rückgrat haben.